Nassauer Sagen - weilburgerforum

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Nassauer Sagen

  
Weilburger Forum e.V. :
Nassauer Sagen- und Geschichtenschatz neu präsentiert
Romantisches Weilburg und die Rettung der Altstadt

Im Programmreigen zum 30 jährigen Bestehen des Weilburger Forums durfte ein literarischer Abend mit einem abwechslungsreichen Menü nicht fehlen. 15 verschiedene Sagen, Geschichten und Geschichtserzählungen haben Renate und Werner Röhrig ausgewählt und gelesen. Die abwechslungsreichen Inhalte gewährleisteten gute, heitere, aber auch nachdenkenswerte Unterhaltung. Hinzu kam gleichzeitig der Genuss der verschiedenen Speisen des Viergänge – Menüs von Michael Abel im Bistro „Altes aRthaus“.
So kreierte das Weilburger Forum am 15. November – dem internationalen Vorlesetag für Kinder – einen Vorleseabend für Erwachsene.

Christine Zips, Vorsitzende des Weilburger Forums begrüßte die Gäste und erläuterte die Hintergründe zur Auswahl der Sagen und Geschichten, sowie die Speisen des Viergänge - Menüs.
Sie hob hervor, dass die Region Limburg-Weilburg, das geogra­fische Zentrum des Nassauer Landes nicht nur eine uralte Sagen­landschaft sei, sondern auch viele „literarische Leckerbissen“ – z.B. von Wilhelm Heinrich Riehl -  besitze, die im Laufe der Zeit veröffentlicht worden seien.
Die große Anzahl von Sagen und Geschichten sei nicht verwunderlich: der Landkreis Limburg-Weilburg ist schließlich übersät von mittelalterlichen Burgrui­nen, barocken Schlössern und windschiefen Fachwerk­häusern, einem spätromanischen Dom, von alten Kirchen, trutzigen Türmen und wuchtigen Brücken.
Hinzu komme, dass in den dichten Wäldern, in Hügeln und Seen, Flüssen und Bächen, schnell Zau­berhaftes entdeckt werden könne.
Auch die ausgewählten Speisen – Kastaniensuppe, Sprossen-Linsen-Salat,            Gänsekeule mit Honig-Orangen-Rotkraut, sowie Klößen mit weiteren Beilagen, Bratapfel zum Abschluss waren mit historischen Bezügen ausgewählt worden.


Bildunterschrift:
Von links: Vorsitzende Christine Zips, Werner und Renate Röhrig, Michael Abel

Vielfalt der Textsorten

Mit einem Auszug aus der Novelle „Idylle des Gymnasiums“ von Wilhelm Riehl und den Briefen von Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg an ihren Verlobten Karl, Erzherzog von Österreich wurden sprachliche Leckerbissen präsentiert.
Der Dombau von Limburg und das Wunder um die Dietkirchener Basilika, sowie eine Ballonlandung in Weilburg wurden ebenso vorgetragen, wie Sagen aus Frickhofen, Elz und Fussingen. Auch das „Limburger Muhkalb“ durfte nicht fehlen.
Eine Auswahl von Geschichtserzählungen, die Gerhard Sennlaub in einer Biographie über einen seiner Vorfahren - Friedrich Sennlaub - veröffentlicht hat, führten zu Heiterkeit, aber auch Nachdenklichkeiten über die Lebensverhältnisse vergangener Zeiten.
Die Beschreibung der Weilburger Altstadt in Riehls Novelle „Die Idylle des Gymnasiums“ und die Geschichte „Erz unter der Stadt Weilburg“ verdienen besondere Beachtung.

Die romantische Stadt Weilburg

Wilhelm Heinrich Riehl stellt das  romantische Weilburg seiner Schulzeit vor:
Die Stadt ist architektonisch beherrscht von dem alten Fürs­tenschlosse mit seinem „Lustgarten“, der sich auf Terras­sen über dem Fel­senboden erhebt. Von der oberen Lahn­seite erscheint das Schloss wie eine verfallende deutsche Burg und von der unte­ren wie ein französischer Fürsten­sitz aus den Tagen Ludwigs XIV.
Und die Landschaft weithin stimmt gleich­falls dazu: beim kürzesten Gange wechselt die Szene, bald lieblich, bald grotesk romantisch; jedes Tal, jede Höhe über­rascht mit einer ganz neuen Ansicht. ….
Die Stadt war nicht bloß Gymnasialstadt, sie war auch Mili­tär­stadt, mit einem Bataillon Infanterie auf 2400 Einwoh­ner, Beamtenstadt, eine Stadt des kleinbürgerlichen Ge­werbes, und vor allem die alte, erst seit zwanzig Jahren verwaiste Re­sidenzstadt, die sich schon von fernher durch die majestä­tischen Lindenalleen ankündigte, welche zu ih­ren beiden Toren führten.
Es war die Welt im Kleinen, welche uns Gymnasiasten so vielseitig anregend umgab. Ich halte es für ein günstigeres Geschick, wenn wir in jungen Jahren die Welt im kleinen kennen gelernt haben, als wenn die große weite Welt schon frühe unsre Augen verwöhnt und blendet.“



Gefährdete Idylle

Die Geschichte „Erz unter der Stadt“ weist auf die Gefährdung dieser idyllischen Schlossanlage und Altstadt hin.
Der gesamte Bergkegel, auf dem sich die Altstadt befindet, besteht vorwiegend aus Eisenerz.
Nach Erschürfung dieses riesigen Eisenerzlagers erwarb der Berg­werksbesitzer Heinrich Moritz im Jahre 1877 das Recht, das ausgewiesene Lager aufzuschließen und abzubauen.
Als erfahrener Bergmann wusste er aber, dass damit nicht nur das gewohnte Leben der Bürger gestört werden würde. Das Ende der un­versehrten Schönheit der Stadt wäre gekommen. Durch Stollen, die von allen Seiten in den Berg hätten getrieben werden müssen, hätte sich die ganze Stadt zu einem unterhöhlten Grubenfeld verwandelt.“….

Je älter Heinrich Moritz aber wurde, desto sorgenvoller musste er an seine Stadt denken und die Gefahr, die sie bedrohen könnte. Da kam ihm ein rettender Gedanke. Damit niemand auch nach seinem Tod dem Berg und damit Weilburg etwas anhaben könne, beschloss er das Schürfrecht zu verschenken.“ …
Heinrich Moritz ließ durch seinen Rechtsanwalt mitteilen, dass er sein Bergwerk in drei Teile geteilt und zwei davon verschenken wolle. Der Teil, der unter dem Schloss und Schlossgelände liegt, er­hielt der Großherzog von Luxemburg, früher Herzog von Nassau. Der Teil, der unter dem Stadtzentrum liegt, wurde der Stadtgemeinde Weilburg zugesprochen, und die Randgebiete behielt Moritz für sich.

Durch diese Schenkung wurden die Bewohner der Oberfläche des Geländes gleichzeitig die Besitzer des Unter­grundes, auf denen sich ihre Liegenschaften befanden, waren aber nicht mehr in der Lage, das Schürfrecht auszuüben.
So bewahrte ein Bürger, der seine Stadt mehr als seinen materiellen Vorteil liebte, ihre Bewohner vor Schaden und das einmalig schöne barocke Weilburg vor der Zerstörung.“

Nach drei Stunden mit Genuss des Viergänge - Menüs und unterhaltsamen Lesungen aus vergangenen Zeiten bedankten sich die Besucher mit viel Applaus und lobenden Worten.

Freundliche Grüße
Christine Zips





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